Bittere Niederlage vor eigenem Anhang
Kampf und starke Torhüter bestimmten das Geschehen. Die Schlussphase war nichts für schwache Nervern.
VON JOCHEN SCHRIEVERS
JEVER – Hero Dirks sitzt auf der Auswechselbank in der Sporthalle an der Jahnstraße. Das Gesicht hat der Trainer der Verbandsligahandballer der HG Jever/Schortens hinter den Händen verborgen, sein Blick geht zwischen den Fingern hervor ins Leere. Auf der anderen Seite der Halle tanzen die Spieler des FTSV Jahn Brinkum im Kreis und singen „Auswärtssieg, Auswärtssieg“. Dirks muss die letzten Sekunden der Partie erst einmal sacken lassen, die sein Team gerade mit 23:24 verloren hat.
Von Beginn an bestimmten die starken Defensiv-Abteilungen das Geschehen. Gerade die Torhüter zeichneten sich immer wieder aus. Im ersten Durchgang schaffte es keines der Teams, sich abzusetzen. Mehrfach wechselte die Führung. Dabei zeigte sich schon in den ersten 30 Minuten, dass die Rückraumschützen der HG einige Probleme hatten, die hochgewachsenen Abwehrspieler der Brinkumer zu überwinden. Gelang es doch, fehlte oftmals das nötige Glück im Abschluss, oder der Keeper parierte die Würfe. Doch auch die Friesländer hatten einen starken Rückhalt zwischen den Pfosten. Torsten Janssen gab der Abwehr die nötige Sicherheit, sodass die sonst so torgefährlichen Brinkumer zur Halbzeit nur zwölf Treffer erzielten. Das reichte jedoch, um mit 12:11 zu führen.
Nach dem Seitenwechsel erwischten die Gastgeber den besseren Start. über 13:13 setzten sie sich durch einen Siebenmeter von Markus Dröge sowie Feldtoren von Steffen Graalfs und Sebastian Keib auf 16:13 ab. Nun wurde die harte Gangart in der Abwehr den Gästen zum Verhängnis. Gleich zwei FTSV-Akteure mussten für zwei Minuten vom Feld. Doch die doppelte überzahl endete mit 2:2-Toren und die HG verpasste die Vorentscheidung. Eine Viertelstunde vor dem Ende hatte die Drei-Tore-Führung der HG noch Bestand, doch einige Fehlversuche der Gastgeber sorgten für die Wende. Bis zur 52. Minute hatte Brinkum den Rückstand aufgeholt und ging selbst mit 21:19 in Front.
Nun entwickelte sich die Begegnung endgültig zu einem offenen Schlagabtausch. Dröge verkürzte, Jahn stellte den alten Abstand wieder her. Dirks traf, der FTSV erhöhte erneut. Große Aufregung gab es dann in der 56. Minute, als Tim Kieselhorst Henning Cassens überhart am Wurf hinderte. Für diese Aktion sah der Brinkumer die Rote Karte. Jens Tammen verkürzte erneut, die Gemüter heizten sich weiter auf. Eine lautstarke äußerung der HG-Bank wurde mit einer Zeitstrafe geahndet. Dennoch gelang Graalfs 60 Sekunden vor dem Ende der Ausgleich zum 23:23. Brinkum setzte auf kontrollierten Spielaufbau, nahm noch einmal eine Auszeit. Doch der Wurfversuch der Gäste landete bei der HG, die nun noch 14 Sekunden Zeit hatte, den Sieg perfekt zu machen. Doch ein Pfiff beendete den Angriff. Graalfs war als Einläufer durch den Kreis gelaufen. Hero Dirks klammerte sich an den Ball, wollte so die letzten Sekunden überbrücken. Der Jahn-Keeper versuchte ihm das Leder zu entreißen, dafür kassierten beide eine Zeitstrafe. Brinkum führte den Freiwurf lang aus. Der Pass fand auf der halblinken Position einen Abnehmer, der den Ball zum 24:23 für die Gäste einnetzte. Statt des erhofften Sieges, oder des eigentlich schon sicher geglaubten Punktes, standen die Friesländer nun mit leeren Händen da.
HG Jever/Schortens - FTSV Jahn Brinkum 23:24 (11:12)
HG Jever/Schortens: Janssen, Hilbinger im Tor; Laurinat, Graalfs (2 Tore), Tammen (3/1 Siebenmeter), Schoster, Keib (3), Dirks (2/2), Dröge (3/2), Bergmann (5), Hanken (2), Cassens (3), Oschmann, Pudelko. Zeitstrafen: HG 7; FTSV 9. Siebenmeter: HG 5/9; FTSV 6/8. Rote Karte: Kieselhorst (56.).