„Das sind irgendwie alles unsere Jungs“

Von Thomas Breves

Die beiden Ehrenamtlichen kennt jeder, der die Spiele der HG Jever/Schortens in der Sporthalle verfolgt.

JEVER/SCHORTENS. Brigitte Keib hat es eilig. Sie schließt Schränke auf, schaufelt Kaffeepulver in einen Filter und wirft Bockwürstchen ins heiße Wasser. Das Bier steht schon lange kalt und das ist gut so, denn vor und nach den Spielen der Handballer der HG Jever/Schortens geht einiges über den Tresen im Vorraum der Sporthalle an der Jahnstraße. „Können wir dir irgendwas helfen?“, schallt es durch den Raum. Ein knappes, aber freundliches „Nein“ gibt es von Brigitte Keib als Antwort. „Dann nehmen wir zwei Bier!“, kommt prompt die Bestellung. „Eiskalt oder nicht so kalt? Und ihr zwei? Kaffee?“, fragt sie die beiden Männer, die gerade vor der Eingangstür zur Halle ihre Zigaretten am Mülleimer ausgedrückt haben. Schließlich stößt Claudia Janßen zur Unterstützung dazu. Beide haben gerade noch in der Halle am Zeitnehmertisch gesessen und das Spiel der ersten Frauenmannschaft betreut. Das HG-Team hat mit einem Tor gewonnen. „Ich klatsche ja immer heimlich unterm Tisch“, sagt Claudia Janßen und grinst, denn als Sekretäre sind sie zur Neutralität verpflichtet.

Beide sind seit vielen Jahren ehrenamtlich für die HG dabei. Bei beiden sind die Söhne Schuld, die in den Jugendmannschaften der Handballspielgemeinschaft ihr Karriere begonnen haben. Schon als der MTV Jever und die SG Schortens noch getrennte Wege gingen, halfen beide in ihren Clubs mit. „Mir macht das Spaß“, sagt Brigitte Keib. Neben ihrer beruflichen Tätigkeit betreut die Schortenserin vier Turngruppen beim Heidmühler FC und ist auch beim Jever-Fun-Lauf im Organisationsteam zu finden. „Am Wochenende bin ich mehr in der Sporthalle zu Hause. Es ist wie ein Hobby. Außerdem kommen immer viele Leute zu den Spielen, da gibt es jedes Mal auch Zeit, ein bisschen zu quatschen.“

Das ist wohl auch einer der Gründe, warum Claudia Janßen hinter dem Tresen immer noch die Stellung hält. Ihr Sohn Torsten ist seit geraumer Zeit nämlich nicht mehr für die HG auf dem Spielfeld zu finden und zur Konkurrenz nach Wilhelmshaven gewechselt. „Aber in der ersten Mannschaft sind das irgendwie alles unsere Jungs, die kennen wir von klein auf“, sagt sie. Viele der Handballer kommen aus der Jugend der HG und waren schon dort Teamkollegen ihres Sohnes. Die Familie ist erwachsen geworden, und sowohl Brigitte Keib als auch Claudia Janßen halten der HG die Stange, auch wenn es zwischenzeitlich mal nicht so rund lief.

Mit der sportlichen Talfahrt der HG wurde es auch bei den Spielen im Zuschauerraum leerer. „Das eine Jahr, war auch für uns hart, umso schöner ist es, jetzt all die bekannter Gesichter wiederzusehen“, erzählt Janßen rückblickend auf die Saison 2018/2019, als bei der Handballgemeinschaft sportlich nur wenig zusammenzulaufen schien.

Mittlerweile ist es ruhiger geworden im Vorraum. Vom Spielfeld der Halle sind die ersten Schiedsrichterpfiffe und das rhythmische Klatschen der Handball-Fans zu hören. „Oh, ich glaube, es hat schon angefangen“, stellt Janßen fest. Es ist Zeit, jetzt selbst in den Zuschauerraum zu gehen. Denn ihre Jungs anfeuern, wollen sie natürlich auch beide – diesmal nicht heimlich und leise unterm Tisch, sondern ganz offen und laut, so, dass jeder es mitbekommt.

Die HG Jever/Schortens empfängt heute Abend um 18.30 Uhr in der Sporthalle an der Jahnstraße die HSG Osnabrück und damit den direkten Tabellennachbarn. Die Gäste haben vor allem zwei Akteure in der Mannschaft, die das Spiel bestimmen. „Jan Wendte auf Rechtsaußen und Rückraum Rechts und Mittelmann Marvin Lötzebeyer müssen wir in den Griff bekommen. Beide suchen häufig den Abschluss oder ihren Kreisläufer“, sagt HG-Trainer Henning Cassens vor der Partie. Gelingt das, hat er große Hoffnung, dass seine Mannschaft über das Tempospiel, so wie zuletzt auch gegen Rastede, zum Torerfolg und damit zu zwei Punkten kommen kann.

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